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W&W Personal­einsatz

Papier statt Beton. Deutschland im Paragraphen-Dschungel

Wie Bürokratie den Bau-Boom ausbremst

Trotz politischer Versprechen und voller Fördertöpfe stocken viele Bauprojekte. Aufträge werden vergeben, doch umgesetzt wird kaum etwas, weil Genehmigungen, Förderanträge und Aus­schreibungen sich endlos hinziehen. Für Bauunternehmer und Subunternehmer bedeutet das: Stillstand statt Auslastung. Der Investitions­stau kostet Geld, Personal und Vertrauen. Warum die Bürokratie zum größten Wettbewerbsrisiko wurde und was Unternehmen dagegen tun können.

Stillstand trotz Auftrag

Wenn die Baugenehmigung zum Nadelöhr wird

Ein Tiefbauunternehmer in Niedersachsen steht vor einem Rohbau, der längst fertig sein sollte. Finanzierung und Subunternehmer sind bereit, Geräte stehen auf der Baustelle – doch die Bagger bleiben still. Die Baugenehmigung für den zweiten Bauabschnitt hängt seit sieben Monaten in der Prüfung fest. Der erhoffte Startschuss wird zum Schuss in den Ofen. 

Vergleichbare Fälle sind heute bundesweit Alltag. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) warnt in seiner Konjunktur-Umfrage 2025 vor einem „anhaltenden Investitionsstau“, der vor allem auf überlange Genehmigungsverfahren und fehlende Digitalisierung zurückzuführen ist.1HDB, Pressemappe „Bauindustrie 2025 – Konjunktur und Perspektiven“, 14. 01. 2025. Gleichzeitig liegen Milliarden an Fördergeldern ungenutzt in den Schubladen von Bund, Ländern und Kommunen.

❯❯ Das Geld ist da, aber es darf nicht bewegt werden.
Wir könnten sofort loslegen, aber die Aktenstapel sind höher als das Gerüst. ❮❮
Bauunternehmer aus Niedersachsen

Rekordbudgets mit Rekordverzögerungen

Die paradoxe Lage des Investitionsstaus im Bauwesen

Deutschland investiert so viel wie nie zuvor in klimaneutrale Gebäude, Wohnungsbau, Verkehrswege- und Brückensanierungen und Digitalausbau. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) umfasst rund 500 Milliarden Euro für die kommenden 10 bis 15 Jahre.2Bundesministerium der Finanzen (BMF), „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“, https://www.bundesfinanzministerium.de/SVIK, Zugriff am 11.11.2025. Schätzungen zufolge fließen etwa 40 bis 60 % davon in klassische Bauvorhaben.

Doch viele Projekte starten verspätet oder stagnieren. Ursachen sind langwierige Genehmigungsverfahren, vielstufige Prüfprozesse und uneinheitliche Landesregelungen. Selbst einfache Anträge wandern durch Dutzende Ämter und Behördenpostfächer.

Während Politiker schnelle Lösungen versprechen, sieht die Praxis oft anders aus: Kommunale Bauämter sind überlastet, digitale Schnittstellen fehlen, Verantwortlichkeiten bleiben unklar. Das Ergebnis: Fördergelder verfallen, Baustellen stehen still und Betriebe verlieren sicher geglaubte Aufträge.

❯❯ Bürokratie ist zum größten Wettbewerbsnachteil geworden. ❮❮
Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB)

Folgen für Unternehmer und Subunternehmer

Verzögerungen bedeuten für Unternehmen mehr als nur Ärger.

  • Maschinen und Geräte stehen still und verursachen trotzdem Kosten.
  • Arbeitskräfte müssen weiter bezahlt oder neu organisiert werden.
  • Verträge mit Subunternehmern laufen aus, bevor das Projekt überhaupt beginnt.

Viele unserer Kunden berichten, dass sie mehr Zeit mit Verwaltung als auf der Baustelle verbringen. Besonders kritisch: Fehlende Vertragsklauseln zu Verzögerungen durch Behörden führen zu teils empfindlichen Vertragsstrafen. Selbst wenn die Ursache außerhalb der Kontrolle der Unternehmen liegt.

❯❯ Wir verlieren Aufträge, weil der erste Spatenstich warten muss.
Unsere Subunternehmer springen ab, weil sie keine Planungssicherheit haben. ❮❮
Projektleiterin eines mittelständischen Tiefbauunternehmens

Die Konsequenzen des bürokratischen Aufwands können existenzbedrohend sein: Sinkende Auslastung, Liquiditätsprobleme und Frust auf allen Ebenen. Für die Bauwirtschaft bedeutet das, Investitionsmittel wirken nicht, obwohl sie vorhanden sind.

Zahlen und Fakten zum Bürokratie-Stau im Bauwesen

Ø Genehmigungsdauer Wohnungsbau

8 – 12 Monate

Statistisches Bundesamt, 2025

Nicht abgerufene Fördermittel im Bauwesen

> 4,8 Mrd. €

PwC-Branchenanalyse 2025

Anteil öffentlicher Bauprojekte mit Verzögerung

ca. 65 %

HDB / BDI-Studie 2024

Kommunen mit digitalem Bau­genehmi­gungs­ver­fahren

nur 27 %

Bitkom 2025

Der politische Widerspruch

Bau-Turbo oder Bürokratie-Bremse?

Deutschland hat ambitionierte Ziele: 400.000 neue Wohnungen pro Jahr, Sanierung von Schulen, Brücken und Verwaltungseinrichtungen.3Wohnungsbauprogramm und Sanierungsoffensiven sind regelmäßig Teil von Koalitionsvereinbarungen und Bundesprogrammen. Doch die Programme bleiben wirkungslos, wenn Genehmigungsprozesse im 20. Jahrhundert stecken bleiben.4Studien des HDB und ZDB benennen Genehmigungsverfahren als Flaschenhals. Der Deutsche Städtetag bestätigt die Notwendigkeit der Verwaltungs­moderni­sierung.

Die Bundesregierung kündigt regelmäßig „Bau-Turbo“-Gesetze an, um Verfahren zu beschleunigen. Doch in der Realität bremsen föderale Unterschiede, unterschiedliche Bauordnungen, komplexe Umweltauflagen und komplizierte Förderlogik viele gute Initiativen aus.5Expertenbericht vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

❯❯ Wir haben kein Geldproblem, sondern ein Prozessproblem … ❮❮
Deutscher Städtetag

Solange Förderprogramme und Genehmigungen getrennt laufen, bleibt der Investitionsstau bestehen. Paradox: Je mehr Regeln für Transparenz sorgen sollen, desto weniger Projekte starten rechtzeitig.

Digitalisierung im Bau: die gebremste Chance

Die Digitalisierung könnte Abläufe deutlich vereinfachen. Elektronische Baugenehmi­gungen, zentrale Antragsplattformen oder digitale Schnittstellen zwischen Behörden und Unternehmen existieren jedoch meist nur als Pilotprojekte oder sind regionale Einzelinitiativen.

Der Datenschutz wird oft als legitimer, aber auch hinderlicher Faktor genannt. Dabei schaffen gerade die Anforderungen der DSGVO klare Standards für den sicheren und rechtskonformen Umgang mit Daten und eröffnen damit moderne, digitale Kommunikationswege.

❯❯ Die Technologie ist da, aber sie darf oft noch nicht eingesetzt werden,
weil die Verwaltung noch analog denkt. ❮❮
IT-Dienstleister aus dem Bauwesen

Skandinavische Länder wie Schweden, Dänemark oder Norwegen zeigen, wie es geht: Dort dauern Baugenehmigungen oft nur 3 bis 6 Wochen, dank durchgängig digitaler Prozesse und zentraler Plattformen. Deutschland hinkt trotz digitaler Tools hinterher und braucht dringend bessere Lösungen.6Vergleichsstudien zu Genehmigungsverfahren in Europa von OECD und Europäischer Kommission

Handlungsempfehlungen für Bauunternehmer

1. Frühzeitige Kommunikation:

Bauherren und Auftragnehmer sollten Behörden und Institutionen schon in der Planungsphase einbinden. Das verhindert Nachforderungen und reduziert Prüfzeiten erheblich. Je mehr relevanten Stellen (z. B. Umwelt-, Denkmal- oder Versorgungsbehörden) frühzeitig eingebunden sind, desto kürzer werden Genehmigungswege. Regelmäßige Koordinierungsgespräche helfen, Konflikte vorab zu vermeiden.

2. Genehmigungsmanagement als Projektaufgabe:

Ein fester Ansprechpartner oder Projektjurist, der sich ausschließlich um Anträge und Nachweise kümmert, spart wertvolle Zeit und Nerven. Viele Unternehmen arbeiten inzwischen mit sogenannten „Permit Managern“ zusammen – zentralen Koordinatoren für alle behördlichen Genehmigungen.

3. Digitale Prozessdokumentation:

Alle Projektunterlagen sollten digital und strukturiert abgelegt werden. Einheitliche Dokumentstrukturen beschleunigen Prüfungen und ermöglicht allen Beteiligten, jederzeit auf aktuelle Informationen zuzugreifen.

Empfohlen wird eine Ablage nach DIN SPEC 91391 (Digitales Bauwerksmanagement). Sie schafft Transparenz über den gesamten Projektverlauf von der Planung bis zur Übergabe an den Bauträger.

4. Kooperation mit Kommunen und Verbänden:

Der Dialog mit Bauämtern, Kammern und Branchenverbänden kann Prozesse verkürzen. Kommunen bieten zunehmend „Fast-Track“-Verfahren für standardisierte oder wiederkehrende Bauarten an – mit verkürzten Prüfzyklen und vereinfachten Freigaben, wenn Vorgaben und Standards eingehalten werden. So wachsen nicht mehr die Aktenordner, sondern rollen wieder die Bagger.

5. Politische Mitsprache nutzen:

Unternehmerverbände und Innungen sammeln Praxisberichte, um auf Landes- und Bundesebene Reformen anzustoßen. Wer seine Erfahrungen teilt und sich hier engagiert, trägt dazu bei, bürokratische Abläufe von innen heraus zu verbessern.

Genehmigungs-Wahnsinn stoppen

Bürokratie ist längst kein Randthema mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Mit guten Absichten, aber veralteten Prozessen bremst sich der deutsche Bau selbst aus. Während Milliarden in Förderprogrammen warten, kämpfen Unternehmen um Planungssicherheit und Auslastung.

Wenn Politik und Verwaltung den „Bau-Turbo“ wirklich wollen, muss die Devise lauten: Genehmigen statt verhindern. Bis dahin bleibt der Branche nur eines: Prozesse verschlanken, Strukturen digitalisieren und weiterbauen – trotz des Systems, nicht wegen ihm. 

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